Reckless Kelly

USA

Samstag, 29. Juni, 21.05 Uhr, Innenhofbühne

Die Band Reckless Kelly gründete sich in Oregon, bevor sie im Januar 1997 nach Austin/Texas zog. Die Frontmänner waren von Anfang an die aus Idaho stammenden Brüder Willy und Cody Braun, die zuvor mit ihrem Vater in der Band Muzzie Braun & The Boys gespielt hatten.

Der Name dieser hochkarätigen Americana/Country-Rock-Referenzband ist im Blue Rose-Umfeld so geläufig, als wären ihre Alben schon seit vielen Jahren dort erschienen. Musikalisch passen die Texaner ohnehin perfekt dazu, im Dezember 2012 legte das Quintett um Bandleader Willy Braun einen grandiosen Set bei der Blue Rose Christmas Party hin.

Außerdem gehören die blutsverwandten Micky & The Motorcars, beim blacksheep Festival 2017 umjubelt,  zu den festen Label-Größen in der Red Dirt/Country-Abteilung. Doch erst 2010 landeten die Texaner mit dem Album „Somewhere in Time“ bei Blue Rose, gefolgt von „Long Night Moon“.

Geheimtipp in einer pulsierenden Szene

Es ist die insgesamt zehnte Veröffentlichung von Reckless Kelly seit den Anfängen Mitte der 90er Jahre. Schon damals galten sie als echter Geheimtipp in der pulsierenden Szene von Austin und veröffentlichten drei frühe Alben bis zur Jahrtausendwende. Der überregionale Durchbruch gelang 2003  mit „Under The Table & Above The Sun“. Reckless Kelly waren nun endgültig angekommen in der modernen Roots-Welt und standen mit ihrem kompakten, schnörkellosen Repertoire für die Verknüpfung von klassischen Country Rock-Werten nach Art von Poco und der Nitty Gritty Dirt Band mit der Singer/Songwriter-Kultur des Americana-Zeitgeists in der Güteklasse eines Steve Earle. „Wicked Twisted Road“ brachte dann 2005 mehr Balladen sowie Texas & Celtic Folk einerseits, setzte aber hart rockende Nummern mit Hang zum Southern Boogie dagegen. 2006 rundete der 2CD+DVD-Live Set „Reckless Kelly Was Here“  diese Ära ab.

Der nächste Karriereschritt war fällig. „Bullettproof“ polarisierte 2008 mit einer wenig Americana-freundlichen R&R-Attitüde und dem als Antikriegs-Statement gedachten patriotischen Hit „American Blood“. Eine stilistische und inhaltliche Kehrtwende folgte 2010 mit dem engagierten Konzeptwerk „Somewhere In Time“ und der Rückbesinnung auf alte Country-Rock-Werte. Die Songs stammten allesamt von Pinto Bennett, einem Freund der Familie Braun. „Long Night Moon“ zog 2013 musikalisch eine imaginäre Quersumme aus den stärksten Alben der Band und ließ gleichzeitig Raum für Innovation. Personell hat sich an der Formation wenig geändert.

Natürlich bildet Willy Braun, charismatischer Bandboss, alleiniger Songschreiber und Leadsänger, Rhythmusgitarrist, zusammen mit seinem Bruder Cody Braun (Geige, Mandoline, elektrische Tenorgitarre, Percussion, Harmoniegesang) das emotionale und spirituelle Gerüst von Reckless Kelly. Der erfahrene Drummer Jay Nazz ist ebenfalls von der ersten Stunde an dabei; Leadgitarrist David Abeyta rundet nun auch schon seit 2000 das Line-up mit seinem markanten Spiel auf den sechs Saiten ab.

Bekannte Helfer wie der in der Texas-Szene allgegenwärtige Pedal Steel-Gitarrist Lloyd Maines, Bukka Allen an der Orgel und Jeff Plankenhorn von den Resentments am Electric Dobro gehören zu den prominenten Gastmusikern. „Long Night Moon“ bietet ein abwechslungsreiches, mit geschickten Spannungsbögen gekoppeltes Programm von rockigen Roots’n’Roll-Nummern, ergreifendenBalladen und lässigem Country Rock.

Das Album „Sunset Motel“ von 2016 besticht schließlich auch durch seine Verpackung, die sich erst langsam in voller Pracht erschließt. Es ist nicht das geprägte 6-Seiten-Digipak, es ist nicht der beiliegende Hotel-Schlüsselanhänger, es ist nicht das Posterbooklet oder die vielen Gimmick-Werbeanzeigen, und es sind nicht die versteckten Zeichnungen, die erst beim Abdecken mit dem Schlüsselanhänger sichtbar werden – es ist das Gesamtwerk, das als Kunst bezeichnet werden muss und Beleg dafür ist, dass ein physikalischer Tonträger nicht aussterben wird.

  • Band
  • Willy Braun – Gitarre, Gesang
  • Cody Braun – Gesang, Fiddle, Mandoline, Mundharmonika
  • Joe Miller – Bass
  • Jay Nazz – Schlagzeug
  • Jeff Crosby – Gitarre, Gesang

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