Interview mit Franz Koroknay

Aus dem Alltag eines Bookers

Zum Vorverkauf von Festivalkarten und zum 1. Halbjahr 2017

Du leitest das blacksheep-Kreativteam und bist der Booker der Kulturinitiative. Plaudere doch mal aus Nähkästchen: Wie sieht Dein blacksheep-Alltag aus?
Franz: Seit August bin ich durchschnittlich fünf bis sechs Stunden am Tag damit beschäftigt, Anfragen zu beantworten und selbst nach passenden Acts Ausschau zu halten. Wir sind mittlerweile bei über 3000 Anfragen im Jahr, und leider schaffe ich es nicht mehr, wirklich jede zu beantworten. Pro Tag sind es durchschnittlich drei Dutzend E-Mails, die wir bearbeiten, dazu kommen jede Menge Telefonate. Da wir die Entscheidungen stets im Team treffen, blacksheep ist ja ein gemeinnütziger Verein mit einem verantwortungsbewussten Vorstand, betreiben wir noch einen erheblichen Aufwand, um uns ständig intern abzustimmen.

Als Du noch Folk im Schlosshof gemacht hast, war das Booking wesentlich einfacher. Jetzt dauert es manchmal Wochen, bis auf der anderen Seite die Entscheidung gefallen ist, okay, wir kommen nach Bonfeld. Kannst Du erklären, warum?
Franz: Das Genre Folk ist natürlich nur eine Nische. Sowohl die Anzahl der Bands als auch die Auftrittsmöglichkeiten sind beschränkt. FiS war, europaweit gesehen, ein recht bedeutungsvolles Festival. Mit unserem heutigen Musikangebot konkurrieren wir mit einer viel größeren Anzahl an Veranstaltern. Auch europaweit. Die Bands sind wählerisch und picken sich die für sie lukrativsten Veranstaltungen heraus. Dieser Prozess dauert manchmal eben Monate.

Wie attraktiv ist das blacksheep Festival trotzdem für große Bands wie die Hooters, die ja dieses Jahr wiederkommen, Manfred Mann’s Earthband, Uriah Heep oder Ian Anderson’s Jethro Tull, und die Ihr in der Vergangenheit ja alle schon mal da hattet?
Franz: Sowohl den Künstlern als auch uns ist natürlich bewusst, dass wir im Vergleich zu vielen anderen Festivals eine recht kleine Nummer sind. Aber, wir haben in der Branche einen sehr guten Ruf. Größe ist nicht alles, das wissen auch solche Künstler, die schon alles erlebt haben. Der Wohlfühlfaktor ist bei uns recht groß, und nicht wenige – etwa die Hooters – schätzen die Atmosphäre rund ums Bonfelder Schloss: Da geht es den Künstlern eben wie dem Publikum. Und das hören wir auch von Musikern, die sogar schon bei Rock am Ring vor über 90 000 gespielt haben. Genau diese Leute geben uns dann den freundschaftlichen Rat, so zu bleiben wie wir sind – und nicht größer werden zu wollen.

Franz, Ihr seid dieses Jahr zum ersten Mal mit einem Line-up in den Vorverkauf gestartet, das zwar schon sensationell war, das aber auch noch Lücken aufwies. Wieso habt Ihr das gemacht?
Franz: Die Nachfrage nach Tickets war nach dem 3. blacksheep Festival gleich da, und wir folgen nun dem allgemeinen Trend, dass der VVK immer früher beginnt. Mit dem VVK-Start der Hardtickets haben wir, bis auf den Contestsieger, der ja erst am Samstag, 22. April, in Bonfeld ausgetragen wird, alle Bands an Bord.

Wen glaubt Ihr, werden wir in den nächsten Jahren rund um Bonfelder Schloss noch so zu hören bekommen?
Franz: Unsere Wunschliste ist sehr lang. Aber ich möchte da keine Erwartungen wecken, die wir dann nicht erfüllen können. Und wir entdecken ja stets neue, hochtalentierte Musiker. Daher verändert sich diese Liste auch permanent.

Ihr habt irgendwo mal gesagt, Ihr wünscht Euch, blacksheep stärker noch als Marke zu positionieren. Warum?
Franz: Der Musikmarkt hat sich in den letzten Jahren doch sehr verändert. Viele unserer Legenden sind meiner Generation teilweise seit Jahrzehnten bekannt und wir freuen uns immer wieder, diese Idole nochmals erleben zu dürfen. Aber dies ist ja endlich. Der Altersdurchschnitt unseres Publikums wird von Jahr zu Jahr jünger, und die Künstler auf der Bühne werden das auch. Unser Ziel ist es, das Festival so zu etablieren, dass die Attraktivität nicht nur von großen Namen bestimmt wird. Die Veranstaltung als solche soll die Attraktion sein. Der Besucher soll wissen, dass ihn ein außergewöhnliches Festivalerlebnis zu äußerst fairen Preisen erwartet. Ich glaube, wir sind da auf einem guten Weg.

Was erwartet die Besucher beim 4. blacksheep Festival – Live im Bonfelder Schlosshof?
Franz: Mit David Knopfler, Saga, Nazareth und Grachmusikoff haben wir schon einige Musiklegenden genannt. Da kommen  noch mindestens zwei attraktive Legenden dazu, die bestimmt wieder jeder kennt. Mit den Common Linnets ist eine der aktuell gefragtesten Bands bei uns. Mit Stacie Collins, Micky & the Motorcars und Julie Jersey haben wir ganz tolle Blues- beziehungsweise Americana Bands auf unserer Innenhofbühne. Mit Alan Doyle, dem Frontmann der kanadischen Kultband Great Big Sea, und Hunter & the Bear, einer mittlerweile sehr erfolgreichen englischen Band, holen wir zwei Gruppen wieder zu uns, die beim Festival 2015 den stärksten Eindruck beim Publikum hinterlassen haben. Und mit Tom James und  Sound of the Sirens aus England, Kids of Adelaide aus Deutschland und Damian Lynn aus der Schweiz haben wir Talente gebucht, die in ihren Heimatländern zum Teil schon sehr große Festivals gespielt haben, und deren Karriere steil nach oben zeigt. Auch in dieser Kategorie werden wir noch ein bis zwei weitere Bands verkünden.

Nun macht Ihr ja nicht nur das Festival 2017. Welche Künstler aus Eurem Jahresprogramm wollt Ihr jetzt schon verraten? Und wann geht da der VVK los?
Franz: Den Auftakt macht im Februar eine Autorenlesung mit einem ganz außergewöhnlichen Gast: Mit Ingrid Noll kommt am 4. Februar eine der aktuell erfolgreichsten deutschen Krimiautorinnen nach Bonfeld. Darauf freuen wir uns schon sehr. Bei der St. Patrick’s Night begrüßen wir am 17. März Paul Daly mit Band und vielen Gästen. Am 8. April kommt Ray Wilson wieder zu uns. Der ehemalige Genesis-Sänger hat eine riesige Fangemeinde und ist angesagter denn je. Mit dem Vorverkauf all dieser Veranstaltungen beginnen wir noch in diesem Jahr. Dem Festival vorgeschaltet ist am 22. April dann unser Nachwuchscontest. Die Nachwuchsarbeit wollen wir noch stärker fördern und werden daher für diese Veranstaltung keinen Eintritt mehr verlangen. Damit werden wir sicherlich auch für jüngere Musikfans noch etwas interessanter. Was nach dem Festival läuft, ist zwar intern schon alles klar – das möchte ich jetzt aber noch nicht verraten. Am Freitag, 6. Januar, lassen wir dann alle Katzen aus dem Sack.